Visualisierung der geplanten Verfüllung im Holzberg.

Nachweis des illegalen Wasserabpumpens im Sommer 2019.

Im Jahr 2019 wurden durch das illegale  Abpumpen 60% des  Feuchtbiotops trockengelegt.


Die Situation am Holzberg

Der Steinbruch Holzberg in den Hohburger Bergen bei Wurzen ist mit seinen bis zu 40m hohen Felswänden eines der attraktivsten Kletterziele in Mitteldeutschland. Aufgrund seiner idyllischen naturnahen Lage, seiner Vielfalt an Kletterwegen und seiner guten Erreichbarkeit ist der Holzberg für viele Kletterer aus nord- und ostdeutschen Bundesländern von großer Bedeutung. Außerdem hat dieser ehemalige Steinbruch auch großen Erholungswert für Anwohner und nicht-kletternde Besucher, da er vielfältiges Naturerleben in einer einmaligen Bergbaufolgelandschaft bietet. Seit Anfang des Jahres 2018 hat der Holzberg einen neuen Besitzer, die KAFRIL-Unternehmensgruppe aus dem nahegelegenen Großzschepa. Die Firma KAFRIL hat den Steinbruch Holzberg mit dem Ziel gekauft, ihn als Erdstoffdeponie zu nutzen und über einen Zeitraum von ca. 30 Jahren größtenteils zu verfüllen. Bereits kurz nach dem Kauf des Holzberges hat KAFRIL dazu ein Naturschutzgutachten in Auftrag gegeben und außerdem den Kletterern signalisiert, dass die Felswände im Holzberg zukünftig für den Klettersport ohne Einschränkungen erhalten bleiben sollen. Im Frühjahr 2019 wurde ein Nutzungsvertrag zwischen KAFRIL und den Kletterern abgeschlossen, der das Klettern im Holzberg erlaubt, jedoch keine Regelungen hinsichtlich der Verfüllhöhen beinhaltet und jederzeit kündbar ist.

Im Holzberg hat sich nach einer begrenzten ersten Verfüllung durch den Vorbesitzer Basalt AG im Laufe der letzten 15 Jahre unter dem laufendem sehr regen Kletterbetrieb im Bereich unterhalb der Felswände ein sehr artenreiches und ca. drei Hektar großes Flachwasserbiotop entwickelt, das neben den Kletterfelsen einen idealen Lebensraum für Lurche und Kriechtiere bietet. Neben Laubfrosch, Knoblauchkröte, Zauneidechse und Waldeidechse sind im Holzberg auch die seltenen und ebenso streng geschützten Arten Schlingnatter und Mauereidechse nachgewiesen. Auch der nahe brütende Weißstorch sowie die im Gebiet nistende Rohrweihe finden in der Flachwasserzone eine zuverlässige Nahrungsquelle und weitere streng geschützte Vogelarten, wie z.B. Rot- und Schwarzmilan und der Uhu, nutzen den Holzberg als Jagdrevier. Der flache Wasserstand im Holzberg wurde und wird auch aktuell durch stetiges Abpumpen künstlich niedrig gehalten. Ohne Abpumpen würde der Holzberg laut eines geologischen Gutachtens weiter mit Wasser zulaufen, wie es im benachbarten Spielberg bzw. im Köppelschen Berg der Fall ist.

Gegen die geplante Verfüllung des Holzberges hat sich im nahegelegenen Ort Böhlitz im November 2018 eine Bürgerinitiative gegründet. Mit ihrer Onlinepetition „Böhlitz sagt Nein!“, die an den sächsischen Ministerpräsidenten gerichtet war und an der sich knapp 3300 Menschen beteiligten, spricht sich die Bürgerinitiative strikt gegen eine Verfüllung des Holzberges und für die Ausweisung des Areals als geschütztes Biotop aus. Die Anwohner befürchten, dass durch die Verfüllung der Lebensraum vieler seltener und geschützter Tierarten vernichtet wird. Bereits 2015 fiel mit der nahegelegenen Schwarzen Wand, einem bedeutenden, 25m hohen freistehenden Kletterfelsen an dem seit 1925 geklettert wurde, ein landschaftsprägendes nationales Geotop privatwirtschaftlichen Interessen zum Opfer, indem der Fels komplett weggesprengt wurde. Die geplante Verfüllung des Holzberges sieht die Bürgerinitiative Böhlitz als weiteren zerstörerischen Eingriff in die charakteristische Bergbaufolgelandschaft der Hohburger Schweiz. Zusammen mit Uta Strenger, der Initiatorin der Onlinepetition "Rettet die Bienen in Sachsen", kämpft die Bürgerinitiative Böhlitz auf Regional- und Landesebene für die Erhaltung des Holzberges. 

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Im Sächsischen Landtag wurden im Frühjahr 2019 zwei Kleine Anfragen zur Rechtslage hinsichtlich des Bergrechts bzw. des Naturschutzrechts bei der geplanten Verfüllung eingereicht. Außerdem wurde im Mai 2019 von der Unteren Naturschutzbehörde nach 6-monatigem Zurückhalten das faunistische Gutachten zum Holzberg freigegeben, in dem zahlreiche europäisch und national streng geschützte Arten im Holzberg nachgewiesen wurden. Im Sommer 2019 wurde im Holzberg trotz extremer Trockenheit weiter kontinuierlich Wasser abgepumpt und das Feuchtbiotop dadurch massiv verkleinert. Videoaufnahmen der BI Böhlitz, die dem Umweltamt zeitnah mit entsprechender Beschwerde zur Verfügung gestellt wurden, belegen das Abpumpen am 14.05.19, 23.05.19 und 06.08.19. Erst nach Erstatten einer Strafanzeige wegen mittelbarer Beeinträchtigung gesetzlich geschützter Biotope wurde das Wasserabpumpen im Holzberg am 07.08.19 eingestellt. Umweltamts-Leiter Dr. Bergmann gibt am gleichen Tag im MDR-Interview an, dass das Umweltamt keine Kenntnis von kontinuierlicher Wasserentnahme hat. Da im Frühjahr 2019 bei der Regionalpolitik und bei den zuständigen Behörden und auch leider innerhalb des Deutschen Alpenverein, der mit 1,3 Mio. Mitgliedern der größte Bergsportverband der Welt und auf Bundesebene anerkannter Naturschutzverband ist, leider kein wirklicher Wille zur Erhaltung der Artenvielfalt im Holzberg festzustellen war, hatten wir - eine Gruppe von Kletterern und Naturfreunden aus Mittelsachsen - uns im Mai 2019 entschlossen die Holzbergfreunde zu gründen, um gemeinsam mit der Bürgerinitiative Böhlitz dafür zu kämpfen das "Natur- und Kletterparadies Holzberg" in seiner jetzigen Form zu erhalten.

Inzwischen haben wir eine Menge bewegt: Zusammen mit der Bürgerinitiative Böhlitz waren wir im November 2019 zu einem Gespräch im Umweltministerium in Dresden und es gab ein Treffen mit allen Beteiligten beim Landrat in Borna. Leider gab es dabei noch keine konkreten Ergebnisse hinsichtlich eines alternativen Verfüllstandortes. Es wurde jedoch eine Fachgruppe gegründet, die eine Liste mit 15 Alternativstandorten bis März 2020 bewerten soll. Auch der DAV-Leipzig, dessen Vorsitzender leider monatelang eigenmächtig und ohne Information an die Mitglieder in der Holzberg-Thematik gehandelt hatte, hat sich nach massivem Protest der Mitglieder und des erweiterten Vorstandes inzwischen in einem Vorstandsbeschluss einstimmig für die vollständige Erhaltung des Biotopsverbunds und der Klettermöglichkeiten im Holzberg ausgesprochen. Wir als Holzbergfreunde freuen uns sehr, dass alle Bergsportler jetzt mit einer Meinung - nämlich gegen jegliche Teilverfüllung - zum Thema Holzberg sprechen.